Michael Totschnig: Wien und der Tod
Große Sperlgasse 24
1020 Wien
Öffnungszeiten: Di - So 10 - 17 Uhr
Tel. 214 46 78
Im Wiener Kriminalmuseum, das sich in einem der ältesten Häuser der Leopoldstadt befindet, begegnet der Besucher derjenigen Art des Todes, der Boulvardpresse und Kriminalfilme noch heute das Interesse ihres Publikums verdanken. In der umfangreichen Sammlung nehmen die Berichte von Morden vom Mittelalter bis in die Gegenwart großen Raum ein, obwohl auch die Veränderung des Polizeiwesens und der Ermittlungsmethoden ausführlich dargestellt wird. Z.B. erfährt man, daß in den 30-er Jahren Wiener Polizeibeamte der Chicagoer Polizei Nachhilfe im Umgang mit organisierter Kriminalität gaben.
Anhand der zahlreichen Originaldokumente und Reproduktionen zu unzähligen Kriminalfällen läßt sich ablesen, mit welchem Interesse das Volk schon vor langer Zeit an diesen teilgenommen hat: Von den Schautafeln der Moritatensänger über Flugblätter mit Lebensbeschreibungen berühmter Verbrecher bis zu den Zeitungsberichten der Gegenwart spannt sich ein Bogen der medialen Darstellung des Mordes. Doch die ebenfalls ausgestellten, ursprünglich nur von der Polizei oder der Justiz verwendeten Dokumente wie Tatortphotos und Gerichtstexte erzeugen einen Eindruck der Authentizität, der nicht immer leicht zu verdauen ist.
Reliquien hingerichteter Verbrecher machen das Museum auch zu einer ungewöhnlichen Gedänkstätte des Todes.
Auch über politische Kriminalität in Österreich (von den bürgerlichen Umsturzversuchen über Kaiserattentate und anarchistische Anschläge bis zur Palmers-Entführung) kann man hier Aufschlußreiches erfahren.
Nach so viel Mord und Totschlag wirken der freundliche Innenhof des Gebäudes und das Alt-Wiener Café wie eine Versöhnung mit den angenehmeren Seiten des Lebens.
| Dernière modification/ Last revision/ Letzte Änderung: 09.10.2000 | mailto: |
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